Zucht

Meine weiblichen Tiere haben zum Zeitpunkt der Deckung ein Mindestalter von sechs Monaten, sind jedoch nicht älter als 10 Monate , da mit zunehmendem Alter Kalkablagerungen am Becken die Geburt erschweren und die Sterblichkeit drastisch erhöhen können. Liegen zwischen zwei Würfen mehr als fünf Monate, verknöchert das Becken ebenfalls und die Sehnen verlieren an Elastizität.
Ein weiteres wesentliches Kriterium ist das Gewicht der Meerschweinchen: ein Böckchen muß, um zur Zucht eingesetzt zu werden, wenigstens 600 g erreicht haben. Weibchen wiegen bei der ersten Deckung mindestens 800 g, aber nicht über 1000 g. Beide Tiere müssen vollkommen gesund sein; Meerschweinchen, die bereits krank waren, zögerlich wachsen oder sehr scheu sind werden nicht gedeckt.

Weibchen:
Weibchen können schon ab der 4.-5. Lebenswoche geschlechtsreif und dementsprechend trächtig werden. Das darf nicht geschehen! Darum müssen Jungtiere eines Wurfes getrennt werden, spätestens wenn die männlichen Tiere 250g wiegen.

Böckchen:
Böcke werden ab der 4. Lebenswoche geschlechtsreif und können erfolgreich decken. Böckchen die in eine Zucht gehen, müssen früh genug von der Mutter und den Schwestern getrennt werden und kommen in der Regel zu ihrem Papa zur weiteren Aufzucht.
Alle anderen werden bei mir mit einem Gewicht von ca.280-300 g kastriert - danach können sie bei der Mutter bleiben. Ich spreche hier jedoch nicht von Frühkastration! (Lesen Sie weiter unten meine Erfahrungen mit "Frühkastraten")

Das Geschlecht kann man übrigens vom ersten Tag an feststellen ... 

Tragezeit

Wie lange dauert die Trächtigkeit eines Meerschweinchens?
Vom Deckakt bis zur Geburt vergehen in der Regel 62 bis 72 Tage (rund 10 Wochen).
Da man als Züchter nicht immer die Brunst des Weibchens mitbekommt (sie haben einen Zyklus von 13-19 Tagen, dann sind sie nur für wenige Stunden empfängnisbereit), rechnet man ab Zusammensetzen des Paares 68 Tage plus einen Spielraum von 21 Tagen für den Zyklus.
Hat man das Glück einer Brunstverpaarung, kann der Geburtsterminrecht genau bestimmt werden.
Kleine Meerschweinchen werden völlig fertig geboren: sogar die Milchzähne verlieren sie bereits im Bauch der Mutter und kommen mit dem bleibendem Gebiss zur Welt.
Wirklich sicht- und fühlbar wird eine Trächtigkeit erst in den letzten vier Wochen, bis dahin findet noch kein nennenswertes Größenwachstum der Jungtiere statt. Ab ca. 3 Wochen vor Ende der Trächtigkeit sind die Bewegungen der Jungtiere zu spüren. Nun legt auch das Weibchen sichtbar an Umfang zu.

Entwicklung der Jungtiere

Meerschweinchen sind Nestflüchter, das heisst, sie kommen vollständig entwickelt mit einem durchschnittlichen Gewicht von ca 70-130g auf die Welt. Ihr Gebiss ist voll entwickelt, (die Milchzähne verlieren sie schon im Mutterleib), die Augen sind offen und wenige Stunden nach der Geburt können die Kleien bereits feste Nahrung aufnehmen.

Trotzdem ist die Muttermilch für die gesunde Entwicklung ganz wichtig: 

die Säugezeit beträgt im Durchschnitt 21 Tage. Manche Mütter säugen ihre Jungtiere aber auch deutlich länger, in Einzelfällen bis zu sechs Wochen. Da ein Weibchen nur zwei Zitzen hat, profitieren Jungtiere in Gruppen davon, wenn mehrere Mütter gleichzeitig Nachwuchs haben. Dann kümmern sich die Mütter meist gemeinschaftlich um alle Babys, und auch kastrierte Böcke übernehmen gelegentlich „Pflegeaufgaben“.

  • Wachstum: Die Jungtiere nehmen pro Woche durchschnittlich etwa 50 g zu.

  • Jungböckchen: Ab etwa 3–6 Wochen (spätestens bei 300 g Körpergewicht) können junge Böcke geschlechtsreif werden – und damit auch ihre Mutter oder Schwestern decken. Spätestens dann müssen sie von den Weibchen getrennt werden. Erste Anzeichen sind „Brommseln“ und auffälliges Paarungsverhalten.

  • Weibchen: Weibliche Jungtiere können bis zur Abgabe oder dauerhaft bei der Mutter bleiben.

  • Pubertät: Ab ca. 12 Wochen setzt die Pubertät ein. Die Jungtiere lernen in dieser Zeit viel über Rangordnung und Sozialverhalten.

  • Ausgewachsen: Mit etwa 12 Monaten sind Meerschweinchen körperlich ausgewachsen. Danach entwickeln sie sich noch etwas in der Statur und werden kräftiger.

Frühkastration - kritisch betrachtet

Ein offenes Wort … 

Ich züchte seit über 25 Jahren Meerschweinchen, alle meine Böckchen, die nicht in andere Zuchten gehen, werden mit knapp 4 Wochen kastriert. Frühkastriert dachte ich zu Anfang, weil ich es nicht anders wusste und glaubte, was andere Züchter und so mancher Tierarzt sagten.

Was ist ein Frühkastrat?

Ein Baby, welchem man noch vor erreichen der Geschlechtsreife die Hoden entfernt – noch bevor diese aus dem Bauchraum abgestiegen sind, idealerweise bei einem Gewicht des Tieres um 200 g.

Das ist Mikrochirurgie. Zunächst: finde den Tierarzt, der es macht. Dann beobachte die Tiere genau und vereinbare einen Termin genau an dem Tag, wo die Hoden noch nicht abgestiegen sind. Ein schwieriges Unterfangen, besonders, wenn man auf dem Land lebt und die Tierarzt Dichte nicht so üppig ist.

Nach der gelungenen OP sollen diese Tiere geschlechtsneutral bleiben, sich wie Weibchen in der Gruppe einfügen und problemlos mit potenten Böcken leben. Sie werden keine Gruppe leiten können und keinen Streit schlichten. Heisst es …

Meine Erfahrung:

Frühkastraten können das gleiche männliches Gehabe an den Tag legen, wie ihre später kastrierten Brüder, die mit nur 100 g Gewicht mehr operiert wurden. Und umgekehrt. Das Verhalten die Tiere ist individuell und abhängig vom Wesen.

Auch früh kastrierte Meerschweinchen, wiegen mit dem Hintern, besteigen ihre Weibchen, klappern mit den Zähnen und brommseln..  

Sie bleiben nicht kleiner als andere Böcke, sie bleiben nicht in der Entwicklung zurück, sie können tolle Harems-Chefs sein.

Sie sind nicht immer verträglich mit erwachsenen/anderen Böcken.

Sicher sind sie nicht so hormonübersteuert wie potente (oder sehr spät kastrierte) Böcke, und es liegt in der Hand des guten Züchters, der seine Tiere kennt, eine entsprechende Gruppe zusammenzustellen bzw. den Käufer zu beraten.

Warum lasse ich meine kleinen Böckchen dann überhaupt so früh kastrieren? Weil der frühe Eingriff (in der Regel ab 280g) für die Kleinen mit dem wenigsten Risiko verbunden ist. Die kleinen Hoden haben noch keinen Fettkörper (der bei den Großen häufig für Abszesse nach der OP sorgt) und die Kleinen können nach OP wieder zur Mutter und den Geschwistern. Aber Achtung: auch hier wird von mir selektiert, manche Böckchen sind schon soweit, daß sie eine Wartefrist beim Papa absitzen müssen.